LCHF und Bulimie und/oder Binge Eating

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freshat
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LCHF und Bulimie und/oder Binge Eating

Beitragvon freshat » 1. Juli 2019, 17:04

Hallo zusammen,

ich hoffe, ich habe nicht den entsprechenden Thread übersehen... ich würde gerne separat das Kapitel "LCHF und Bulimie und/oder Binge Eating" starten.

Weil?
Weil ich schlussendlich erst symptomfrei geworden bin, seit ich meine Ernährung auf Lowcarb umgestellt habe. Lowcarb war der erste Schritt, LCHF dann die Lösung, denn ich habe dann endlich gemerkt, dass ich Fett brauche, mehr Fett in meiner täglichen Ernährung. Meine Fressanfälle zeichneten sich (natürlich) durch zucker-/kohlenhydratreiche Lebensmittel aus, die aber eben auch immer recht fettig waren: Schokolade in jeder Variation, Weizen-/Weißmehlprodukte wie Kuchen, Gebäck, Brot!!!! und Käse und so weiter und so fort.
Wenn ich ausreichend Fett esse, geht es mir gut.
Wenn ich auf Brot und KH in Form von Stärke verzichte, geht es mir gut.
Deutlich ent-spannter, gelassener, mehr in mir selbst ruhend.

(Käse liebe ich weiterhin (das Casein-Morphin-Thema ist mir bekannt ... ein Schritt nach dem anderen ... ;-) ))

Aber es kann doch nicht sein, dass ich die Einzige bin, die ihre Essstörung nicht nur psychologisch/im Kopf überwunden hat sondern zumindest für sich selbst klar erkannt hat, dass es auch eine physiologische Komponente hat, die man (frau ;-) ) nicht unterschätzen sollte?!!
Weshalb hat sich dieser Aspekt 2019 nicht schon mehr ... verbreitet, durchgesetzt, herumgesprochen???


...vielleicht möchte ich einfach etwas Zuspruch in Form von "Du bist nicht allein". Hm....
Wie auch immer, ich freue mich auf feedback.


VG
freshat

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Kräutergeist
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Re: LCHF und Bulimie und/oder Binge Eating

Beitragvon Kräutergeist » 1. Juli 2019, 19:01

Interessant.
Grade bei Binge Eating könnte dann ja (auch?) eine gewisse Suchtthematik dabei sein?
Ich kenne mich nicht aus, aber ich finde es toll, dass du das hinter dir lassen konntest.

LCHF ist ja tatsächlich eher noch so eine Nische.
Die jahrzehntelange Propaganda sitzt eben tief - Fett macht fett! Fett verstopft die Arterien! Das ganze Cholesterin! Der Körper braucht Kohlehydrate!

Auch heute gibt es ja noch sehr viele Gegner von LC bzw. LCHF oder Keto, die gern irgendwelche halbseidenen Studien rauskramen die natürlich alle samt belegen, wie furchtbar gesundheitsschädlich das doch alles sei.
Die Schwierigkeit ist dabei aber eigentlich tatsächlich, dass niemand wirklich weiß was genau gesund wäre und man dazu auch schlecht Studien durchführen kann. Weil der einzig sinnvolle Weg ja wäre, dass es eine Doppelblindstudie sein müsste. Aber wie willst du das machen - es dürften ja weder die Probanden wissen was sie essen und auch die Studierenden nicht, wer was isst.
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Uhura
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Re: LCHF und Bulimie und/oder Binge Eating

Beitragvon Uhura » 2. Juli 2019, 09:57

Hallo FreshCat,

vielen Dank, dass Du hier schreibst und Deine Erfahrung mitteilst. Ich arbeite ja als Psychotherapeutin, allerdings nicht mit Menschen mit Essstörung, weil ich finde, dass mein eigenes Essenthema noch zu unausgegoren ist, als dass man mich auf die Menschheit loslassen könnte.
Ich selbst war "nur" übergewichtig, aber keine Binge Eaterin und dennoch war es für mich eine absolute Erleichterung, als ich durch meine Hausärztin zu Low Carb kam und endlich die physiologischen Zusammenhänge mit dem Bedürfnis nach süss und mehr Essen in Zusammenhang bringen konnte. Das war echt ein "eureka"- Moment.
Mit Low Carb bin ich noch hin und her geschwankt (ich habe mir damals noch - wenngleich meine Hausärztin mich kopfschüttelnd ansah - Cheatdays eingeräumt) und eine (naja, ich muss noch an mir arbeiten, aber im Vergleich:) Stabilität habe ich erst durch Low Carb High Fat bekommen, weil ich da endlich im "richtigen" Stoffwechsel lief. Befreiend ist das.

Was ich eigentlich erzählen wollte. Vor zwei, drei Jahren habe ich noch einmal darüber nachgedacht, ob es nicht an der Zeit sein könnte, auch Menschen mit Essstörung zu behandeln und habe mal wieder ein sehr aktuelles Fachbuch von einer sehr guten Fachleute-Institution gelesen. Und ich war entsetzt: die Ernährungsprogramme, die parallel zu den Psychotherapien, angesetzt worden waren alle DGE-orientiert (das sind ja auch dummerweise die Leitlinien, nach den wir arbeiten MÜSSEN, damit man uns keinen Kunstfehler anhängen kann). Das Interessane allerdings dabei: für Menschen, die an Anorexie litten, gab es eine Gesundung, nicht nur auf den Ebenen Selbstwahrnehmung, Selbstzufriedenheit, sondern eben auch Ernährungsverhalten und gesunde Körpermaße. ÜBergewichtige Binge Eater oder BulimikerInnen blieben übergewichtig und konnten kein gesundes Essverhalten entwickeln.
Ich hoffe natürlich sehr, dass diese Erkenntnisse weiter dazu führen, das man bei diesen Menschen eben aufhört "schwarze Listen" (in der Therapie von Essstörungen sollen "scharze Listen", also Lebensmittel, die der Mensch sich nicht erlaubt zu essen, abgebaut werden) zu verteufeln, sondern die "richtigen" Listen anzulegen.

Ich hoffe als sehr, dass sich viele Betroffene hier zu Wort melden und Du einen regen Austausch findest. Also: ich lese mit!

Liebe Grüße
Uhura

Tami
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Re: LCHF und Bulimie und/oder Binge Eating

Beitragvon Tami » 2. Juli 2019, 14:47

Ich (ehemalige Bulimikerin) war vor Jahren in der psychotherapeutischen Klinik Rosenau in Prien am Chiemsee - eben wegen Bulimie.

Da gab es ganz klare Essensvorgaben. Ich erinnere mich mit Grauen:

- Frühstück:
2 Brötchen mit je 10 g Butter + Belag
(wahlweise gab es noch Quark, Obst etc. - durfte man aber nur, wenn man die Brötchen aß.
Die waren Pflicht).

- Mittagessen:
Mischkost mit Nachtisch

- Abendessen:
3 Scheiben Brot mit insgesamt 20 g Butter + Belag.
Beilagen Salat, Gemüse. Hier dieselbe Regel wie beim Frühstück: Das Zusätzliche durfte man
nur, wenn man die 3 Schein Brot aß. Die waren Pflicht.


So. Und als "erfolgreich therapiert" galt man dann, wenn man die Gewichtsvorgabe (bei mir hieß das zunehmen) erreicht hat.
Dass ich dabei nie den Essdruck verloren habe, interessierte keinen Menschen.
Dass mir all die KH nicht bekamen, sondern die Spirale des Essdrucks am Laufen hielten, interessierte keinen Menschen.

Nach 5 Wochen habe ich die Therapie abgebrochen und feststand für mich: Nie wieder psychotherapeutische Klinik. Never!


Was mir auf dem Weg zum Gesundwerden geholfen hat, war eine ambulante Therapie beim für mich richtigen Therapeuten und dem Herausfinden meines eigenen Ernährungsweges durch Trial und Error.

Ich ernähre mich heute nicht LCHF, deshalb schreibe ich hier nicht aktiv.
Meine Ernährung sieht im Groben und Ganzen so aus, dass ich folgendes nicht esse:
- Getreideprodukte
- Kartoffeln, Nudeln, Reis
- Bohnen, Linsen...
- süßes Obst wie Trauben, Ananas
- Kristallzucker (ich verwende kalorienfreie Süßungsmittel)

Was ich allerdings in beliebiger Menge esse, sind sämtliche (anderen) Obst- und Gemüsesorten, Naturmilchprodukte, Fisch, Fleisch, Käse.
Öle nur in hochwertiger Form.


Damit geht es mir hervorragend.
Meine Bulimie liegt seit 2003 hinter mir und ich weiß: Das Thema wird in meinem Leben nie wieder eine Rolle spielen.
Ich habe meinen Weg gefunden.

Der Ernährungsplan in der psychotherapeutischen Klinik hätte mich in der Sucht gehalten.

freshat
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Re: LCHF und Bulimie und/oder Binge Eating

Beitragvon freshat » 7. Juli 2019, 15:11

An Uhura und Tami:

Danke!!!

Es hat so gut getan, Eure Posts zu lesen! "Ich bin nicht allein" ;-)
Mir ist natürlich klar. dass die Ernährungsweise nur ein Baustein zur Gesundung von einer Essstörung (welcher auch immer) sein kann. Aber sie ist eben ein Baustein.
Ich bin nur so verwundert, dass es offenbar keine Forschung über die physiologische Seite von Essstörungen gibt. Dies hätte ich bei der sich langsam einsetzenden Anerkennung der ketogenen Ernährung bei diversen Krankheitsbildern erwartet.

Schönen Restsonntag noch,
LG
freshat

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Uhura
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Re: LCHF und Bulimie und/oder Binge Eating

Beitragvon Uhura » 7. Juli 2019, 20:28

An Uhura und Tami:

Danke!!!

Es hat so gut getan, Eure Posts zu lesen! "Ich bin nicht allein" ;-)
Mir ist natürlich klar. dass die Ernährungsweise nur ein Baustein zur Gesundung von einer Essstörung (welcher auch immer) sein kann. Aber sie ist eben ein Baustein.
Ich bin nur so verwundert, dass es offenbar keine Forschung über die physiologische Seite von Essstörungen gibt. Dies hätte ich bei der sich langsam einsetzenden Anerkennung der ketogenen Ernährung bei diversen Krankheitsbildern erwartet.

Schönen Restsonntag noch,
LG
freshat
Ich bin zuversichtlich, dass die - jetzt wo immer mehr Ärzte hellhörig werden - kommt/in der Mache ist. Unbedingt.
:-? Man könnte natürlich die großen Unis durch direkte Nachfragen darauf stoßen. Wenn ich zum Beispiel an die Forschung des TZI und der Max-Plank in München denke ... :-?

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Katschi
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Re: LCHF und Bulimie und/oder Binge Eating

Beitragvon Katschi » 7. Juli 2019, 21:39

Hallo freshat,ich oute mich dann auch mal als kleines Bingemädel :? ;)
Obwohl ich mich seit 2016 mal mehr,mal weniger an der lchf Ernährung versuche,bin ich meine Fressattacken noch nicht losgeworden.
Ich müsste mich erstens wirklich KOMPLETT von allen süß schmeckenden Lebensmitteln fernhalten(grade aktuell wieder bei lc Eis gemerkt @-) ),aber wenn mich die Gelüste erstmal im Griff haben,gibt es meistens noch kein Entkommen.

Der Hr.Atkins schrieb ja schon in seinem Buch von 1968 ,daß die meisten Übergewichtigen Hypoglykämie haben,also es ist ein physiologischer Vorgang.Nach dem Insulinanstieg folgt ein zu starkes Absinken des Zuckerspiegels was wiederum Heißhunger auslöst.

Allerdings lösen natürlich auch diverse psychische Probleme,Stress(Cortisol!),Schlafmangel usw Heißhunger aus.

Es wär halt zu schön,wenn man mit der richtigen Ernährung alle Probleme los wäre!! :-s
Höchstgewicht April 2016: 92,3kg
03.06. BtB5
Start:78,3kg
10.06. :76,7kg
17.06. :75,7kg
01.07. :75,3kg

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Re: LCHF und Bulimie und/oder Binge Eating

Beitragvon Tami » 8. Juli 2019, 09:33

Binge Eating, Bulimie, Esssucht...
Das alles sind Süchte und die haben m.E. immer zwei Komponenten:
Die psychische Seite und die rein körperliche Seite.
An einer Stellschraube allein zu drehen, "heilt" nicht.
Es ist - so meine persönliche Erfahrung - das Arbeiten an beiden Seiten, die zielführend ist.

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Re: LCHF und Bulimie und/oder Binge Eating

Beitragvon Winnie Pooh » 8. Juli 2019, 10:07

So. Und als "erfolgreich therapiert" galt man dann, wenn man die Gewichtsvorgabe (bei mir hieß das zunehmen) erreicht hat.
Dass ich dabei nie den Essdruck verloren habe, interessierte keinen Menschen.
Dass mir all die KH nicht bekamen, sondern die Spirale des Essdrucks am Laufen hielten, interessierte keinen Menschen.
Eine mir nahestehende Person wird seit mehreren Jahrzehnten mit Psychofarmaka vollgestopft. Gleichzeitig wurde sie immer dicker. Immer Schelte bekommen sie solle sich nicht so gehen lassen und sie war auch oft in Psychokliniken. Die Ärzte lehnen Gespräche mit Familienangehörigen ab "Sie machen sich lieber ein eigenes Bild vom Patienten!"
Der seelische Zustand hat nie einen dieser Weißkittel interressiert. Immer Druck gemacht daß sie endlich abnehmen soll...
Man sollte meinen dass Psychologen die Psyche analysieren um einem dabei behilflich wären einen Weg aus dem Dunklen Hirn zu finden. Aber nein die Ursache interressiert überhaupt nicht und Lebensmittel spielen dabei auch keine Rolle.
Eines ist bei Menschen die abnehmen oder zunehmen sollten gleich: Aufgezwungene Mahlzeitenpläne nach der Ernährungspyramide.

Kinder mit Typ I Diabetes bekommen in der Reha übrigens bei der Ernährungsberatung auch eingetrichtert dass sie 60 - 70% Getreideprodukte essen müssen sonst kann ein Diabetiker nicht leben... :-\
Wenn dann die Blutzuckerwerte explodieren wird mit Verboten reagiert weil man ihnen vorwirft heimlich genascht zu haben.
Da haben Eltern schlechte Karten dem eigenen Kind "gesunde Ernährung beizubringen da ja auch in der Schule die Ernährungspyramide eingehämmert wird.
Nach 5 Wochen habe ich die Therapie abgebrochen und feststand für mich: Nie wieder psychotherapeutische Klinik. Never

Der Ernährungsplan in der psychotherapeutischen Klinik hätte mich in der Sucht gehalten
Das könnte man grob fahrlässig bezeichnen...

Herzliche Grüße
Anke

Gutes Essen streichelt die Seele

8/2018 - 108kg
8/2019 - 94,5kg

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Re: LCHF und Bulimie und/oder Binge Eating

Beitragvon Tami » 8. Juli 2019, 13:14

Grob fahrlässig - was meinst Du damit?
Meinen Abbruch oder den aufgezwungenen Ernährungsplan?


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